BREAKING NEWS: EBA veröffentlicht SREP/IRRBB/Stresstesting Konsultationspapiere – Einladung zur Veranstaltung

Am 31. Oktober 2017 veröffentlichte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), in Übereinstimmung mit ihrer Roadmap vom April 2017, die folgenden drei Konsultationspapiere:

  • EBA/CP/2017/18: Überarbeitung der EBA Leitlinien zu gemeinsamen Verfahren und Methoden für den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process, SREP);
  • EBA/CP/2017/19: Überarbeitung der EBA Leitlinien zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos bei Geschäften des Anlagebuchs (Interest Rate Risk in the Banking Book, IRRBB); sowie
  • EBA/CP/2017/17: Überarbeitung der EBA Leitlinien zum Stresstesting.

Überarbeitung der SREP-Leitlinien

Das SREP-Rahmenwerk, das von der EBA im Jahr 2014 eingeführt wurde (EBA/GL/2014/13), ist nunmehr etablierte Praxis in der EU. Ungeachtet dessen sieht die EBA Anpassungsbedarf, um das bestehende Regelwerk zu stärken, jüngsten regulatorischen Entwicklungen Tribut zu zollen und die Konvergenzbemühungen auf europäischer Ebene voranzutreiben. Die EBA lässt das SREP-Rahmenwerk zwar weitestgehend unberührt, dennoch gibt es nennenswerte Änderungen:

  • Die Einführung der Eigenmittelempfehlungen für die Säule II (Pillar 2 Guidance, P2G) und die Aufnahme des aufsichtlichen Stresstests in die Leitlinien;
  • Die aufsichtliche Beurteilung der von den Instituten durchgeführten Stresstests;
  • Die Angleichung der aufsichtlichen Beurteilung des IRRBB mit den überarbeiteten EBA Leitlinien;
  • Die Interaktion verschiedener SREP Elemente mit dem Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP), dem Internal Liquidity Adequacy Assessment Process (ILAAP) und dem Sanierungsplan;
  • Die verbesserte Artikulation der Kapitalanforderungen nach SREP (Total SREP Capital Requirements, TSCR) und der allgemeinen Kapitalanforderungen (Overall Capital Requirements, OCR) sowie die Kommunikation dieser aufsichtlichen Kapitalerwartungen an die Institute;
  • Allgemeine Aspekte des SREP Scoring-Rahmens, d.h. die Differenzierung in „viability scores” und „risk scores“; und
  • Die Herstellung der Konsistenz der vorliegenden Leitlinie mit anderen gesetzlichen Vorgaben zur internen Governance und internen Kontrollsystemen.

Durch das vorliegende Konsultationspapier soll die Leitlinie EBA/GL/2014/13 überarbeitet und an die vorherrschende Praxis angepasst werden.

Überarbeitung der IRRBB-Leitlinien

Das Konsultationspapier zur Überarbeitung der Leitlinien zur Steuerung des Zinsänderungsrisikos bei Geschäften des Anlagebuchs soll die erst 2015 finalisierte Leitlinie EBA/GL/2015/08 ablösen und vor allem die Vorgaben des Baseler Ausschusses (BCBS 368) unionsrechtlich umsetzen. Die vorgeschlagenen Anpassungen betreffen insbesondere:

  • Erweiterung des Abschnittes über Definitionen;
  • Erweiterung des Scopes der Leitlinien um Credit Spread Risiken;
  • Eine detaillierte Guidance hinsichtlich der zu berücksichtigenden Elemente für die Beurteilung der Kapitaladäquanz des IRRBB;
  • Aktualisierung und Ausweitung der Internen Governance-Regelungen;
  • Aktualisierung der Parameter und Annahmen beim standardisierten Zinsrisikoschock;
  • Aktualisierung der Guidance im Hinblick auf Ausreißerinstitute;
  • Aufnahme neuer Schocks (z.B. Währungsschocks) und die Berücksichtigung des Niedrigzinsumfeldes;
  • Erweiterung der Zinsschockszenarien um zusätzliche Thresholds zur Angleichung der Leitlinien an den BCBS Standard.

Überarbeitung der Stresstesting-Leitlinien

Das vorliegende Konsultationspapier soll die CEBS Leitlinie für Stresstests (GL 32) und das Konsultationspapier der EBA vom Dezember 2015 (EBA/CP/2015/28), noch vor dessen finaler Veröffentlichung, ablösen. Die Leitlinien zielen vor allem auf eine Angleichung der verschiedenen Verfahren innerhalb der EU ab. Hierzu entwickelt die EBA im vorliegenden Entwurf eine Taxonomie des Stresstesting. Zusätzlich spezifiziert ESMA die Bedeutung unterschiedlicher Stresstest-Arten im Zusammenhang mit regulatorischen Anforderungen wie der Erstellung von Sanierungsplänen. Zudem werden neue Risikokategorien (z.B. Verhaltensrisiken, Prozessrisiken, Fremdwährungskreditrisiken) in die Leitlinien aufgenommen und veraltete Konzepte, welche nicht aktuelle Best-Practice-Standards erfüllen, überarbeitet und an die gewachsenen Anforderungen angepasst.

Zusätzlich werden im CP gesteigerte Anforderungen an die Fähigkeiten der Institute, aus dedizierten IT-Systemen die für das Stresstesting notwendigen Daten in adäquater Form und zeitnahe der Stresstesting-Funktionalität des Institutes zu Verfügung zu stellen, formuliert. Die Institute sollen zur Durchführung von Stresstests zu jedem Zeitpunkt genaue und verlässliche Risikodaten vorhalten.

Die EBA erkennt im vorliegenden Konsultationspapier das Proportionalitätsprinzip an, das es kleineren und weniger komplexen Instituten erlaubt, sich stärker auf qualitative Aspekte des Stresstesting zu konzentrieren. Größere und komplexere Institute müssen hingegen wesentlich aufwändigere Verfahren anwenden. Obwohl so die Problematik der Anwendung aufwändiger Regeln auf kleinere Institute zwar angesprochen wird, verbleiben zum Teil wichtige Details weiterhin im Ermessen der Interpretation des Textes. Dies umfasst unter anderem eindeutige Definitionen jener Institute, für welche Erleichterungen im Rahmen des Proportionalitätsprinzips anwendbar sind und was proportionale Anwendung der Anforderungen in spezifischen Fällen bedeutet.
Im Lichte der engen Verzahnung von Aspekten aufsichtlicher Stresstests mit der neu aufgenommenen P2G, beinhalten die bereits angesprochenen SREP-Leitlinien nunmehr auch Elemente des Stresstestings.

Die Konsultationsfrist der drei Dokumente endet am 31. Jänner 2018. Die Implementierung der abgestimmten und diskutierten Änderungen aus allen drei Konsultationspapieren soll bis 1. Januar 2019 erfolgen.

Wir dürfen Sie überdies auf unsere Veranstaltung zu den obenstehenden Themen am 30. November 2017 um 18:00Uhr hinweisen. Im Rahmen dieser Veranstaltung führen Sie die Experten der Deloitte FSI Advisory durch die einzelnen Themenbereiche und stehen für einen weitergehenden Gedankenaustausch sehr gerne zur Verfügung.

Die Deloitte FSI Advisory verfügt über langjährige Erfahrung in der regulatorischen Beratung von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen, auch in Verbindung mit der Erfüllung der Anforderungen aus den genannten Konsultationspapieren und Leitlinien. Gerne unterstützen wir Sie in diesem Zusammenhang und stehen als fachlicher Ansprechpartner im Rahmen weiterer Gespräche jederzeit zu Ihrer Verfügung.

 

Link: EBA/CP/2017/17, EBA/CP/2017/18, EBA/CP/2017/19

print