Baseler Ausschuss veröffentlicht Leitlinien zu Step-in Risiken

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 15. März 2017 ein Konsultationspapier zu Leitlinien zur Identifizierung und zum Management von Step-in Risiken veröffentlicht. Dieses Konsultationspapier wurde als Teilbereich G20-Initiative zur Stärkung der Aufsicht und der Regulierung des Schattenbankensystems und zur Minderung systemischer Risiken ausgearbeitet.

Die Problematik von Step-in Risiken wurde durch die globale Finanzkrise 2008 verdeutlicht. In dessen Verlauf traten Banken für in Not geratene Einrichtungen ein, obwohl dazu keine vertragliche Verpflichtung bestand. Das Step-In Risiko bezeichnet in diesem Zusammenhang daher die Gewährung finanzieller Unterstützung für ein nicht konsolidiertes Schattenbankunternehmen durch ein aufsichtlich reguliertes Finanzinstitut, sofern die Unterstützung ohne vertragliche Verpflichtung erfolgt und den Zweck hat, das regulierte Finanzinstitut vor Reputationsschäden durch die Verbindung mit dem unterstützten Schattenbankunternehmen zu schützen.

Die Leitlinien zielen vor allem auf solche Situationen ab, in denen die Gewährung von finanzieller Unterstützung die Liquidität und/oder das Kapital der jeweiligen aufsichtlich regulierten Bank signifikant beeinflussen würde. Dazu sind alle gem. Abschnitt 2.2.1 alle Einrichtungen einer Bankengruppe, die im Konsolidierungskreis für den Jahresabschluss mittels der Equitymethode oder proportionaler Konsolidierung erfasst sind, einer Risikoprüfung zu unterziehen. Als Beispiel wird ein Joint Venture, das mittels der Equitymethode oder der proportionalen Konsolidierung im konsolidierten Jahresabschluss einer Bank erfasst ist, genannt.

In Abschnitt 3 werden alle Indikatoren gelistet, die Banken berücksichtigen sollten, um mit Step-in Risiken belastete Einrichtungen zu identifizieren:

Ausgestaltung und Ausmaß der Unterstützung

Je nach Ausgestaltung und Ausmaß der Unterstützung kann das Risiko für Banken unterschiedlich hoch ausfallen. Eine Garantie oder ein Credit Enhancement kann dazu führen, dass das Step-in Risiko erhöht wird.

Ausmaß des Einflusses

Darunter wird der Einfluss verstanden, den die Bank auf die jeweilige Einrichtung ausübt. Ein größeres Ausmaß an Einfluss über eine Einrichtung kann als Indikator für ein höheres Step-in Risiko herangezogen werden.

Implizite Unterstützung

Darunter sind Unterstützungen zu verstehen, die Banken Einrichtungen zu kommen lassen. Darunter fällt etwa ein besseres Rating für eine Einrichtung durch einen externe Ratingagentur aufgrund der engen Verbindungen zwischen der Bank und der Einrichtung.

Strukturierte und hoch verschuldete Einrichtungen, Variable Interest Entities

Bestimmte Einrichtungen sind schon bei der Gründung hochverschuldet (z.B. Variable Interest Entities gemäß US GAAP). Die letztendliche Kontrolle über solche Einrichtungen erfolgt oft nicht über traditionelle Stimmrechte. Solche Einrichtungen bergen ein höheres Step-in Risiko für Banken.

Risikotransparenz für Investoren

Ein höheres und verlässliches Maß an Informationen kann das Risiko des Step-in verringern, während Einrichtungen, bei denen der Basiswert undurchsichtig ist, bei denen kein Rating möglich ist oder bei denen das Rating auf einer Reihe von kaum belegbaren Annahmen besteht, ein höheres Step-in Risiko beinhalten.

In Abschnitt 4 werden Maßnahmen zum Management von Step-in Risiken durch den BCBS vorgeschlagen:

Einbeziehung in den aufsichtsrechtlichen Konsolidierungskreis

Diese Maßnahme sollte vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn schon substantielle Vertragsbeziehungen und -verpflichtungen zwischen der Bank und der Einrichtung bestehen.

Erhöhte Kapital- und/oder Liquiditätsanforderungen

Die Vorschreibung von erhöhten Liquiditäts- und/oder Kapitalmitteln bei erhöhten Step-in Risiken könnte eine weitere Möglichkeit für betroffene Banken sein.

Strafkapitalaufschläge

Die Androhung von Strafkapitalaufschlägen nach Step-ins von Banken kann die mit Step-in verbundenen, systemischen Risiken mindern.

Stellungnahmen zur Konsultation können noch bis 15. Mai 2017 an den BCBS übermittelt werden.

Link: BCBS398

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