EZB-Leitfaden zur Reduzierung notleidender Kredite

Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte am 20. März 2017 einen Leitfaden für Banken zu notleidenden Krediten. Der Leitfaden richtet sich an bedeutende Institute (Significant Institutions, SI). Ziel ist die Verbesserung der Aktivaqualität, gegenwärtig eine der Prioritäten der EZB in ihrer Funktion als Aufsichtsbehörde im SSM.

Aus mikro- und makroprudenzieller Sicht wirkt sich ein planmäßiger und nachhaltiger Abbau notleidender Kredite (Non-Performing Loans, NPL) in den Bankbilanzen positiv auf die Wirtschaft aus. Die EZB schreibt daher die rechtzeitige Reduzierung hoher NPL-Bestände als Ziel einer NPL-Strategie vor. Die NPL-Strategie soll u.a. zeitlich vorgegebene quantitative NPL-Ziele festlegen, die von einem Implementierungsplan flankiert werden. Die Strategie und der Implementierungsplan müssen von der Geschäftsleitung genehmigt und mindestens einmal jährlich einer unabhängigen Überprüfung (etwa durch die interne Revision oder durch externe Prüfer) unterzogen werden.

Der Leitfaden orientiert sich am “zeitlichen Ablauf” der NPL-Steuerung (i.S.d. Stufen Strategie/Governance → Stundung → Wertberichtigung/Abschreibung), wobei die nachfolgenden Schritte als zentrale Bausteine für die Entwicklung und Umsetzung einer angemessenen NPL-Strategie für SI gelten:

  • Beurteilung und Überprüfung des operativen Geschäftsumfelds, einschließlich interner NPL-Kapazitäten sowie externer Bedingungen, die Einfluss auf die Abwicklung von NPL-Beständen und auf die Kapitalausstattung haben (geeignete branchenbezogene Bezugsgrößen wurden zuletzt von der EBA in ihrem Risk Dashboard Bericht für das 4. Quartal 2016 veröffentlicht);
  • Entwicklung einer unternehmensindividuellen NPL-Strategie, einschließlich der Ziele für die Entwicklung operativer Kapazitäten und des prognostizierten kurz-, mittel- und langfristigen NPL-Abbaus;
  • Implementierung eines operativen Umsetzungsplans, der auch erforderliche Veränderungen der Aufbauorganisation umfasst;
  • Einbettung der NPL-Strategie in den Managementprozess.

Die EZB schreibt die folgenden Mindestbestandteile einer NPL-Strategie vor:

  • Hold-/Forbearance-Strategie;
  • aktiver Portfolioabbau beispielsweise durch Veräußerung und/oder durch Abschreibung von wertberichtigten NPL-Risikopositionen, die als uneinbringlich erachtet werden;
  • Änderung der Art der Risikopositionen (z.B. Umwandlung von Verbindlichkeiten in Eigenkapitalbestandteile oder Austausch von Sicherheiten);
  • rechtliche Maßnahmen (z.B. Insolvenzverfahren oder außergerichtliche Einigungen).

Wichtige Elemente der Governance und der Verfahren für die Abwicklung von NPL sind Steuerungs- und Entscheidungsprozesse, ein operatives NPL-Modell, ein interner Kontrollrahmen sowie ein Frühwarnsystem für die Überwachung von NPL.

Im Rahmen von Stundungsmaßnahmen (Forbearance-Maßnahme) ist zwischen kurzfristig (max. 2 Jahre) und langfristig realisierbaren Forbearance-Optionen zu differenzieren. Die Hauptbestandteile im Rahmen einer “Best Practice” eines soliden Forbearance-Prozesses sind:

  • Keine Forbearance ohne Kapitaldienstfähigkeitsprüfung des Kreditnehmers;
  • standardisierte Forbearance-Produkte und Entscheidungsbäume;
  • Vergleiche mit anderen Abwicklungsoptionen für NPL;
  • Überwachung der Vertragserfüllung seitens des Kreditnehmers.

SI müssen eine angemessene und zeitnahe Risikovorsorge gemäß der hierfür maßgeblichen Bilanzierungsvorschriften für Wertberichtigungen bilden.

Der Leitfaden ersetzt keine bestehenden aufsichtsrechtlichen Bestimmungen, sondern präzisiert diese. Die EZB wird die Einhaltung dieser Bestimmungen im Rahmen des SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) überprüfen und erforderlichenfalls aufsichtliche Maßnahmen ergreifen. Der Leitfaden trat am Tag seiner Veröffentlichung in Kraft.

Links: Leitfaden für Banken zu notleidenden Krediten, Fragen und Antworten zum NPL-Leitfaden, EBA Risk Dashboard

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