EBA veröffentlicht Ergebnisse des Banken-Stresstests 2016

Am 29. Juli 2016 um 22 Uhr MEZ hat die EBA die Ergebnisse des EU-weiten Stresstestes veröffentlicht. Insgesamt wurden 51 Banken aus 15 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraumes gestresst, darunter 37 aus Euroländern und 14 weitere aus Dänemark, Ungarn, Norwegen, Polen, Schweden und dem Vereinigten Königreich. Die beiden österreichischen Institute Erste Group Bank AG und Raiffeisen-Landesbanken-Holding GmbH wurden direkt gestresst, die UniCredit Bank Austria AG indirekt über ihre italienische Mutter UniCredit S.p.A. getestet.

Der Stresstest war primär darauf ausgelegt, die Zahlungsfähigkeit der Banken zu prüfen, daher wurden die folgenden Risiken einer genaueren Prüfung unterzogen:

  • Kreditrisiko, inkl. Verbriefungen,
  • Marktrisiko, inkl. Gegenparteiausfallsrisiko und kreditrisikobezogene Bewertungsanpassungen,
  • Operationelle Risiken inkl. Verhaltensrisiken;

Der Test simulierte jährliche Wachstumsraten des realen BIP in der EU von -1,2%, -1,3% und 0,7% und umfasste den Zeitraum von Ende 2015 bis Ende 2018.

Die Methodologie für das Kreditrisiko ging von einer Erhöhung der Risikoexposition für Verbriefungspositionen und von gesteigerten Zahlungsausfällen bei Staatsanleihen aus. Dazu kamen weitere Stressfaktoren wie eine Obergrenze der Nettozinseinkommen auf Gruppenebene und eine Untergrenze für den Gesamtzinsaufwand auf die gemeldeten Werte von 2015. Die kumulierten Verluste durch das Kreditrisiko stiegen im adversen Szenario alleine 2016 um 107% an und die kumulierten Verluste betrugen über den Stresszeitraum rund -349 Mrd. EUR. Der Einfluss auf die harte Kernkapitalquote durch das Kreditrisiko betrug damit -370 Basispunkte.

Das Marktrisiko simulierte einen sofortigen Schock, gefolgt von einem erheblich reduzierten Handelseinkommen über den restlichen Zeitraum. Die kumulierten Verluste durch das Marktrisiko, inkl. Gegenparteiausfallsrisiko und kreditrisikobezogenen Wertanpassungen betrugen EUR -148 Mrd. und hatten damit einen Einfluss auf die harte Kernkapitalquote von -160 Basispunkten.

Das Nettozinseinkommen fiel im adversen Szenario um 20% stärker als im Basisszenario von EUR 335 Mrd. auf EUR 267 Mrd.

Das Verhaltensrisiko und andere operationelle Risiken wurden aufgrund der internen Modelle der Banken, aber mit streng festgelegten Untergrenzen für die erwarteten Verluste berechnet. Die kumulierten Verluste durch diese Risikopositionen betrugen zusammen EUR-105 Mrd., davon waren EUR -71 Mrd. aus Verhaltensrisiken entstanden.

Nettovergütungen, Provisionseinkommen und Dividendeneinkommen fielen im adversen Szenarios um EUR -15 Mrd. pro Jahr. Erleichternd konnten ausgewählte Kostenpositionen in Absprache mit den zuständigen Aufsichtsbehörden über den Stresszeitraum reduziert werden, darunter etwa variable Vergütungen in Einklang mit der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 Artikel 129 und Artikel 140.

Die harte Kernkapitalquote betrug durchschnittlich 13,2% zu Beginn des Stresstests. Im Basisszenario stieg sie um 70 Basispunkte auf 13,9% , im adversen Szenario fiel sie um -380 Basispunkte auf 9,4%.

Das harte Kernkapital der Erste Group Bank AG sank im adversen Szenario von 12,35% auf 8,19% und dass der Raiffeisen-Landesbanken-Holding GmbH von 10,47% auf 6,14%. Das Mutterunternehmen der UniCredit Bank Austria AG, die UniCredit S.p.A. meldete eine Verminderung des harten Kernkapitals von 10,59% auf 7,12%.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die europäischen Banken eine ausreichende Widerstandsfähigkeit gegen (ökonomische) Schocks entwickelt haben, die speziell auf den höheren Kapitalquoten beruht. Von 51 Banken zeigte nur die Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A. unzureichende Ergebnisse, ihr Kernkapital sank infolge der Schocks von 12,01% auf -2,23%.

Die Ergebnisse des Stresstests werden von den zuständigen Aufsichtsbehörden im Rahmen des Aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (SREP) verwendet, um minimale und zusätzliche Kapitalanforderungen für einzelne Institute festlegen zu können. Speziell sind die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, um die Höhe und Zusammensetzung des harten Kernkapitals unter Beachtung der Kapitalanforderungen des SREP und dem Gesamtkapitalbedarfs festlegen zu können. Zusätzlich erhöht die Veröffentlichung der Ergebnisse die Transparenz und trägt damit zur Marktdisziplin bei.

Quellen: 2016 EU-Wide Stress Test – Methodological Note, Information update on the 2016 EU-Wide Stress Test, 2016 EU-Wide Stress Test – FAQ, 2016 EU-Wide Stress Test – Results

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