EBA Sanierungsplan: Bericht über Governance-Regelungen und Sanierungsindikatoren

Mit der Umsetzung der BRRD (Bank Recovery and Resolution Directive, 2014/59/EU) gewinnen Sanierungspläne immer mehr an Bedeutung für die Planung und das Risikomanagement der europäischen Bankengruppen. Nach den 2015 von der EBA veröffentlichten Analysen über Kerngeschäftsbereiche und kritische Funktionen sowie über die Vorgehensweise beim “Scenario Testing” bei Sanierungsplänen hat diese eine dritte vergleichende Analyse durchgeführt und am 5. Juli 2016 einen dazugehörigen Bericht veröffentlicht. Die Analyse konzentrierte sich auf Governance-Regelungen und Sanierungsindikatoren, die essenziell für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit eines Sanierungsplans sind.

Damit ein Sanierungsplan effektiv ist, benötigt dieser klare Governance-Regelgungen für Entwicklung, Instandhaltung, Durchführung und Vollziehung des Plans. Es ist notwendig, dass der Sanierungsplan zeitgerecht eingeleitet wird. Hierfür sind quantitative und qualitative Indikatoren notwendig, die eine ordnungsgemäße und regelmäßige Überwachung von potenziellen Risiken ermöglichen. Diese Indikatoren sollten aufzeigen, wann das Ergreifen von Maßnahmen notwendig ist.

Trotz vieler Fortschritte bei der Entwicklung und der Aktualisierung der Pläne zeigt der Report, dass es unter anderem in folgenden Bereichen weiterhin Herausforderungen bestehen:

  • Im Bereich von Eskalationsverfahren bezogen die meisten Kreditinstitute (KI) ihren Sanierungsplan in die bereits bestehenden Governance-Regelungen mit ein. In manchen Fällen sind jedoch nähere Erläuterungen ratsam.
  • Während die BRRD Benachrichtigungen der zuständigen Behörden schon bei Einleitung des Eskalationsverfahrens vorsieht, sahen viele Sanierungspläne diese erst bei Ergreifung von Sanierungsmaßnahmen vor.
  • Außerdem wies die Analyse auf, dass die meisten Pläne nur wenige Informationen zu Interaktion zwischen Eskalations- und Überwachungsverfahren vorsehen.

Im Bereich der Sanierungsindikatoren haben fast alle KI die Notwendigkeit der regelmäßigen Überwachung von umfassenden Messgrößen erkannt, um Anzeichen für eine Notlage rechtzeitig erkennen zu können. Außerdem wurden diese Messgrößen weitläufig in die Risikomanagementrichtlinien einbezogen. Viele KI haben ihre Sanierungsindikatoren auf Kapital und Liquidität beschränkt, während die meisten anderen Kategorien als bloße frühzeitige Warnhinweise kategorisiert oder gar nicht beachtet wurden.

Der Bericht weist jedoch auf einige Herausforderungen hin, wie etwa bei der Kalibrierung von Sanierungsindikatoren. Es hätten außerdem mehr Informationen über das Sanierungsplanrahmenwerk bereitgestellt werden sollen, damit Verschlechterungen in der Finanzlage besser erfasst werde können. Des Weiteren hat sich die Berichterstattung und Einbeziehung von wichtigen Rechtsträgern als eine Herausforderung für die meisten Sanierungspläne herausgestellt. Viele KI stellen nicht genügend Informationen zur Beteiligung des lokalen Managements in Bezug auf Entwicklung und Durchführung des Plans sowie über den Gebrauch von Indikatoren zur Verfügung. Das vermindert die Wirksamkeit und die Glaubwürdigkeit des Sanierungsplans. Eine annehmbare Berichterstattung würde zu einer reibungslosen gemeinsamen Beschlussfassung beitragen.

Quelle: EBA Recovery Planning Report

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