Basler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlicht finalen Report zu Korrespondenzbankbeziehungen

Am 13. Juli 2016 hat der Ausschuss für Zahlungsverkehr und Marktinfrastruktur des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervisory, BCBS) den finalen Bericht zu Korrespondenzbankbeziehungen veröffentlicht. Neben der Analyse aktueller Trends enthält er auch Empfehlungen des BCBS zur Erleichterung des Abschlusses und des Unterhalts von Korrespondenzbankbeziehungen.

Diese spielen bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen im Banken- und Finanzsektor eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen es Banken, ihren Kunden Dienstleistungen länderübergreifend zur Verfügung zu stellen und unterstützen damit den internationalen Handel und die finanzielle Inklusion. In den letzten Jahren wurde jedoch ein signifikanter Rückgang der Anzahl von Korrespondenzbankbeziehungen registriert. Dies könnte langfristig zu einer Beeinträchtigung des internationalen Zahlungsverkehrs und damit zu negativen Auswirkungen auf den Welthandel und auf die Realwirtschaft führen.

Laut dem Bericht des BCBS beruht der Rückgang von Korrespondenzbankbeziehungen in erster Linie auf einem schrumpfenden Angebot. Immer weniger Banken sind bereit, diese Art von Geschäftsbeziehung einzugehen oder zu unterhalten. Faktoren, die den Rückgang begünstigen, sind vor allem:

  • Die sinkende Profitabilität dieser Beziehungen: Der Grund dafür sind hauptsächlich die steigenden Compliance-Kosten in Verbindung mit Korrespondenzbankbeziehungen. Gemäß der aktuell geltenden Richtlinie 2005/60/EG (3. GW-RL) und der bis Juni 2017 umzusetzenden (EU) 2015/849/EG (4. GW-RL) sind bei grenzüberschreitenden Korrespondenzbankbeziehungen mit Drittstaaten automatisch verstärkte Sorgfaltspflichten anzuwenden.
  • Steigende Kosten von Korrespondenzbankbeziehungen: Speziell die Compliance-Prüfungen in Hinblick auf (Wirtschafts)sanktionen führen zur höheren Kosten und haben oft die Beendigung von Korrespondenzbankbeziehungen zur Folge.
  • Konzentration auf das traditionelle Korrespondenzbanking: Produkte mit einem höheren Risiko (wie Durchlaufkonten) werden reduziert zugunsten von traditionelleren Formen wie dem Akkreditiv. Und auch diese werden oft nur unterhalten, um Querverkäufe von anderen Produkte mittels Korrespondenzbanken abwickeln zu können.
  • Konzentration der Anbieter und Dienstleistungen: Die sinkende Anzahl von Anbietern hat zu einer gewissen Marktmacht der verbleibenden Anbieter und damit zur einer Erhöhung des allgemeinen Preisniveaus für diese Art von Dienstleistungen geführt.

Als Reaktion auf die Ergebnisse ihrer Untersuchung hat das BCBS fünf Empfehlungen formuliert:

  • Know-your-Customer-Programme (KYC): Die Nutzung von KYC-Programmen der beteiligten Banken kann als effektive Maßnahme zur Reduzierung der Complianceanforderungen in Bezug auf die angemessenen Sorgfaltspflichten angesehen werden. Dabei wird vorausgesetzt, dass die im KYC-Prozess verwendeten Daten und Informationen korrekt und aktuell sind.
  • Legal Entity Identifier (LEI): Die Verwendung von Rechtsträger-Kennungen im KYC-Prozess durch die betroffenen Behörden und relevanten Stakeholder kann die Identifizierung von Banken unterstützen und dabei die Risiken in Verbindung mit Korrespondenzbanken signifikant reduzieren.
  • Informationsaustausch: Institutionen wie die Financial Action Task Force (FATF) werden aufgefordert, weitere Informationen und Vorgehensweisen zur Verfügung zu stellen, um Unsicherheiten speziell in Bezug auf die anzuwenden Sorgfaltspflichten auf die Kunden der Korrespondenzbank (KYCC) zu klären und vorhandene Hindernisse zu beseitigen.
  • Zahlungsmeldung: Banken sollten, unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und der ihrer Kunden, einheitliche Vorgehensweisen mit ihren Korrespondenzbanken treffen, welche Zahlungsmethoden zu verwenden sind.
  • Rechtsträger-Kennungen bei Zahlungsmeldung: Die Nutzung der Rechtsträger-Kennung sollte zusätzlich bei Zahlungen optional als Möglichkeit zur Verfügung stehen.

Die Bedeutung von Korrespondenzbankbeziehungen für den weltweiten Handel und die Realwirtschaft zeigt sich auch darin, dass neben dem BCBS noch eine Reihe weiterer, internationaler Organisationen Initiativen zu diesem Thema initiiert haben, darunter der Finanzstabilitätsrat, die Weltbank, die FATF und der Internationale Währungsfonds.

Quelle: Committee on Payments and Market Infrastructures – Correspondent banking

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