Konsultationspapier der EBA zu Leitlinien zur Praxis des Kreditrisikomanagements von Kreditinstituten und zur Bilanzierung von erwarteten Kreditausfällen

Am 26. Juli 2016 veröffentlichte die EBA ein Konsultationspapier zu Leitlinien, die für die Praxis des Kreditrisikomanagements und der Bilanzierung von erwarteten Kreditausfällen (Expected Credit Losses, ECL) von Kreditinstituten (KI) von Bedeutung sind. Das Ziel dieser Leitlinien ist, ein zuverlässiges Kreditrisikomanagement während der Umsetzung und der laufenden Verwendung von ECL-Bilanzierungsmodellen sicherzustellen. Am 18. Dezember 2015 veröffentlichte der Basler Ausschuss (BCBS) bereits eine finale Version von Leitlinien zum Thema Expected Credit Losses. (Deloitte berichtete).

KI sind angehalten, ein geeignetes Modell zur Berechnung von erwarteten Kreditausfällen zu implementieren. Ebenfalls muss ein KI geeignete Maßnahmen für das Kreditrisikomanagement und ein effektives Internes Kontrollsystem (IKS) besitzen. Diese Maßnahmen sind von der Geschäftsleitung und vom Verwaltungsorgan sicherzustellen und durch regelmäßige Kontrolle zu überprüfen. Sie haben Kriterien für Neuverhandlung/Änderungen von Kreditengagements, Stundungen und die Behandlung von angekauften und verkauften wertberichtigten Kreditengagements zu enthalten. Die Wertberichtigungen haben mit den Zielen des Rechnungslegungsrahmens übereinzustimmen.

Um ECL für Kreditengagements zeitgerecht feststellen zu können, sind Richtlinien zu erstellen. Für die Beurteilung eines Kreditrisikos sind die Art des Kredits, das zur Verfügung stehende Kapital und die Rückzahlungskapazität des Kreditnehmers wesentlich. Um Veränderungen des Kreditrisikos und die damit verbundenen Auswirkungen auf den ECL bewerten zu können, sind Kreditrisikoratingprozesse einzurichten. Kredite werden in diesem Prozess auf gemeinsame Risikomerkmale untersucht und in granularen Gruppen zusammengefasst. Bei KI, die IFRS 9 bereits anwenden, sind Verlustzunahmen bei Finanzinstrumenten mit einem Betrag in Höhe des 12-Monats-ECL anzusetzen. Allerdings nur dann, wenn sich das Kreditrisiko seit der ersten Berücksichtigung nicht drastisch erhöht hat. Hintergrund dieser Regelung ist, dass die Bonität des Kreditnehmers und somit auch der ECL in die Preiskalkulation des Kredits einbezogen werden. Eine Änderung des Zinssatzes für die Aufhebung des Kreditrisikos, kann somit nicht mehr vorgenommen werden. Aufgabe der zuständigen Behörden ist es nun, die Wirksamkeit der Messung des Kreditrisikos festzustellen. Werden seitens der zuständigen Behörden Mängel festgestellt, so sind diese der Geschäftsleitung umgehend mitzuteilen und gegebenenfalls Maßnahmen zu erheben.

Die Konsultationsfrist zur Stellungnahme endet am 26. Oktober 2016.

Quelle: EBA/CP/2016/10

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