Verordnung über Indizes veröffentlicht

Das Europäische Parlament und der Rat unterzeichneten am 8. Juni 2016 die Verordnung über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden und zur Änderung der Verbraucherkreditrichtlinie und der Richtlinie über Wohnimmobilienkreditverträge für Verbraucher sowie der Marktmissbrauchsverordnung (VO 2016/1011/EU). Die VO 2016/1011/EU basiert auf einem Legislativvorschlag der Europäischen Kommission, die aufgrund von mehreren Skandalen im Zusammenhang mit Referenzwert-Manipulationen von LIBOR und EURIBOR erlassen wurde.

Das Hauptziel der vorliegenden Verordnung stellt die Einführung eines gemeinsamen, europaweiten Rahmens zur Gewährleistung der Transparenz und Integrität von Referenzwerten sowie die Wiederherstellung des Vertrauens von Verbrauchern und Anlegern in die Finanzmärkte dar.

Um die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Referenzwerte gewährleisten zu können, beziehen sich die Europäischen Gesetzgebungsorgane auf die folgenden Regulierungsmaßnahmen:

  • Erkennen und Vermeiden von Interessenkonflikten sowie die wahrheitsgetreue Ausübung von Ermessenspielräumen in Benchmarking-Prozessen;
  • Bereitstellung von qualitativen und genauen Eingabedaten des Administrators, um die zu messende wirtschaftliche Realität wiederzugeben;
  • Erarbeitung und regelmäßige Überprüfung von kritischen Referenzwerten;
  • Angemessener Schutz für Verbraucher und Anleger, für deren Finanztransaktionen Referenzwerte zugrunde gelegt werden.

Durch die VO 2016/1011/EU müssen Referenzwert-Administratoren von einer zuständigen Behörde autorisiert und registriert werden. Sie sind verpflichtet, jährlich ein Referenzwert-Statement zu verfassen, in dem sie eine schlüssige und validierbare Methodik und die Prozedur der Kalkulationen von Benchmarks darlegen. Darüber hinaus gewährleistet der Administrator die Sicherstellung der Einhaltung des Verhaltenskodex und die Implementierung von Eingabedatenkontrollen.

Zur effektiven Durchsetzung der vorgenommenen Ziele wurden den Aufsichtsbehörden umfangreiche Informations- und Kontrollrechte sowie erhebliche Sanktionsmöglichkeiten eingeräumt.

Die Verordnung ist am 30. Juni 2016 in Kraft getreten.

Quelle: VO (EU) 2016/1011

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