Präzisierungen zur LCR veröffentlicht

Sowohl die Europäische Kommission (EK) als auch die EBA veröffentlichten im Mai bzw. Juni 2016 Regelungen zur Präzisierung der Liquidity Coverage Ratio (LCR). Die EK erließ eine Delegierte Verordnung (DelVO) über die Anwendung der Ausnahmen für Währungen mit begrenzt verfügbaren liquiden Aktiva. Diese Verordnung trat am 2. Juni 2016 in Kraft. Die EBA veröffentlichte am 3. Mai 2016 einen finalen Entwurf technischer Regulierungsstandards (RTS) für zusätzliche Liquiditätsabflüsse für Sicherheiten im Zusammenhang mit ungünstigen Marktbedingungen auf Derivatgeschäfte, Finanzierungsgeschäfte und andere Kontrakte auf Basis der Liquiditätsberichtspflichten.

Die beiden Dokumente präzisieren die LCR, die primär in der Verordnung 2013/575/EU (CRR) geregelt ist. Die LCR soll sicherstellen, dass ein Kreditinstitut (KI) über einen ausreichenden Bestand lastenfreier, erstklassiger, liquider Aktiva verfügt. Durch deren Umwandlung in Barmittel soll der voraussichtliche Liquiditätsbedarf für einen Zeithorizont von 30 Kalendertagen gedeckt werden. Die LCR sollte mindestens 100 % betragen, d.h. der Wert der erstklassigen, liquiden Aktiva sollte zumindest so hoch sein wie die Nettomittelabflüsse innerhalb dieses Zeithorizonts.

Liquide Aktiva und Währungen mit begrenzter Verfügbarkeit

Die Währungsverteilung der liquiden Aktiva muss mit jener der Nettomittelabflüsse übereinstimmen. Wenn der berechtigte Bedarf an liquiden Aktiva deren Verfügbarkeit überschreitet, sieht der Art. 419 Abs. 2 lit. a und b CRR zwei Ausnahmen vor. Die am 2. Juni 2016 in Kraft getretene DelVO 2016/709/EU regelt, unter welchen Voraussetzungen diese Ausnahmen angewendet werden können. Die Ausnahme nach lit. a sieht vor, dass die Währung mit begrenzt verfügbaren liquiden Aktiva von der Währungsverteilung der Nettomittelabflüsse abweichen darf. Die Ausnahme nach lit. b ermöglicht, dass für Währungen eines EU-Mitgliedstaats (MS) oder Drittlands die erforderlichen liquiden Aktiva unter bestimmten Voraussetzungen durch Kreditlinien der Zentralbank des betreffenden MS oder Drittlands ersetzt werden können. Die Kreditlinien müssen hierfür vertraglich unwiderruflich für die nächsten 30 Tage verbindlich und deren Preis angemessen sein. Zudem müssen die zuständigen nationalen Behörden (NCA) des MS oder Drittlands ebenso verfahren und es müssen vergleichbare Meldepflichten gelten.

Für eine Inanspruchnahme einer dieser Ausnahmen muss das KI der NCA 30 Tage vor Anwendung der Ausnahme(n) Mitteilung über die geplante Anwendung machen. Unter außergewöhnlichen Umständen ist eine vorläufige Mitteilung ausreichend. Die KI müssen jedes Jahr bekanntgeben, ob die Ausnahme(n) weiter in Anspruch genommen werden. Zudem enthält die DelVO Vorgaben zur Bewertung des berechtigten Bedarfs und zur Anwendung der möglichen Ausnahme(n). Bei der Anwendung der Ausnahme(n) dürfen KI den Prozentsatz gemäß Durchführungsverordnung 2015/2344/EU nicht überschreiten (63% bei der Norwegischen Krone – weitere Währungen sind in dieser Durchführungsverordnung nicht aufgezählt). Außerdem gibt es für die Ausnahme nach lit. b eine Gebührenregelung für die Bereitstellung der Kreditlinie. Sie soll sicherstellen, dass Institute, die diese Ausnahme in Anspruch nehmen, keine wirtschaftlichen Vor- oder Nachteile gegenüber Instituten haben, die von dieser Ausnahme keinen Gebrauch machen.

RTS für zusätzliche Liquiditätsabflüsse

Am 2. Mai 2016 veröffentlichte die EBA einen finalen Entwurf der RTS für zusätzliche Liquiditätsabflüsse für Sicherheiten im Zusammenhang mit ungünstigen Marktbedingungen auf Derivatgeschäfte, Finanzierungsgeschäfte und andere Kontrakte auf Basis der Liquiditätsberichtspflichten. Ein Entwurf der RTS wurde bereits im März 2014 an die Kommission übermittelt, die jedoch im Dezember 2015 mitteilte, dass sie diesen RTS-Entwurf nicht befürworten würde.

Der RTS-Entwurf sieht zwei Methoden vor, um den zusätzlichen Liquiditätsabfluss aus der erforderlichen Bereitstellung von Sicherheiten zu berechnen:

  • HLBA (Historical Look Back Approach);
  • AMAO (Advanced Method for Additional Outflows).

Die HLBA-Methode wurde ursprünglich vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) vorgeschlagen und nun in abgeänderter Fassung in den RTS-Entwurf aufgenommen. Sie dient als zwingende Grundlage für die Erfassung des Mindestliquiditätsabflusses. Alle Institute sollen diese Methode anwenden, unabhängig davon, ob sie die AMAO-Methode anwenden oder nicht. Laut BCBS ist diese Methode am zweckmäßigsten für die Berechnung des zusätzlichen Sicherheitsabflusses.

Die AMAO-Methode wurde für Institute mit großen Derivatportfolios entwickelt. Sie kann nur von Instituten verwendet werden, die den auf internen Modellen basierenden Ansatz für Ausfallrisiken von Gegenparteien verwenden dürfen. Die zuständige Behörde ist 60 Tage im Voraus über die geplante Anwendung der AMAO-Methode zu informieren.

Die EK kritisierte, dass der EBA-HLBA bedeutende Auswirkungen auf KI und auf internationale Derivatemärkte haben würde. Dies würde daran liegen, dass der EBA-HLBA auf den größten Brutto-Differenzen von gestellten Sicherheiten eines Derivatkontrakts innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen in den vergangenen zwei Jahren basiert. Der BCBS-HLBA basiert hingegen auf der größten Netto-Differenz. Dementsprechend befürchtet die EK, dass der Liquiditätsabfluss insbesondere der größten Teilnehmer auf den Derivatemärkten deutlich größer wäre. Im Vergleich zu Drittländern wäre zudem auch kein level-playing-field mehr gewährleistet, wenn diese den BCBS-HLBA anwenden.

Die EBA folgte der Meinung der EK und veröffentlichte einen abgeänderten RTS-Entwurf, der nun inhaltlich dem BCBS-HLBA entspricht. Die EK wird diesen geänderten RTS-Entwurf neuerlich prüfen. Nach einer allfälligen Billigung durch die EK wird der RTS als DelVO erlassen und im Amtsblatt der EU kundgemacht.

Quellen: DelVO 2016/709/EU, EBA/Op/2016/08

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