ESAs veröffentlichen finalen RTS-Entwurf zu Risikominderungstechniken für nicht durch eine CCP geclearte OTC-Derivate

18. Mai 2016

Die drei europäischen Aufsichtsbehörden EBA, ESMA und EIOPA (European Supervisory Authorities, ESAs) haben am 8. März 2016 einen gemeinsamen finalen Entwurf von technischen Regulierungsstandards (Regulatory Technical Standards, RTS) zu Risikominderungstechniken für OTC-Derivatkontrakte, die nicht durch eine zentrale Gegenpartei (CCP) gecleart werden, veröffentlicht. Die RTS wurden auf der Grundlage von Artikel 11 Abs. 2 EMIR (Verordnung (EU) Nr. 648/2012) verfasst und basieren auf von den ESAs zuvor veröffentlichten Konsultationsdokumenten.

Die EMIR verfolgt das Ziel, den außerbörslichen Derivatehandel transparenter und sicherer zu gestalten. Deshalb müssen standardisierte OTC-Derivate über CCPs abgewickelt werden. Begleitend dazu setzt Artikel 11 EMIR Risikominderungstechniken für jene OTC-Derivate, die nicht durch eine CCP gecleart werden, fest. Um diese Risikominderungstechniken näher zu präzisieren, wurden die ESAs beauftragt, Technische Standards zu entwickeln. Der vorliegende Entwurf dient somit zur Konkretisierung der Bestimmungen in Artikel 11 EMIR und behandelt insbesondere die Themenbereiche Margin-Kalkulation sowie Anrechenbarkeit und Behandlung von Sicherheiten.

Im Rahmen der Margin-Kalkulation normiert der finale Entwurf regulatorische Anforderungen i.Z.m. “Initial Margin” und “Variation Margin”. Es werden Methoden festgelegt, mit denen der jeweilige Mindestbetrag berechnet werden soll. Um die Marginverpflichtung zu erfüllen, nennen die Technischen Standards zulässige Sicherheiten; darunter fallen Staatspapiere, Pfandbriefe, spezifische Verbriefungen, Unternehmensanleihen sowie Gold und Stammaktien. Darüber hinaus legen die Standards fest, dass Sicherheiten hinreichend diversifiziert sein müssen, um das Korrelationsrisiko zu minimieren. Zudem werden Collateral-Haircuts vorgegeben.

Die in den Technischen Standards genannten Verpflichtungen sollen ab dem 1. September 2016 anwendbar sein. Bis dahin haben CCPs Zeit, sich mit der Implementierung auseinanderzusetzen.

Der finale Entwurf wurde an die Europäische Kommission weitergeleitet. Erst nach Annahme durch die Europäische Kommission sowie das Europäische Parlament und den Rat werden die Regeln durch Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union rechtlich verbindlich.

Quelle: ESAs/2016/23