Prioritäten der EZB-Bankenaufsicht für 2016

Am 6. Jänner 2016 veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre fünf Schwerpunkte in ihrer Tätigkeit als Aufsichtsbehörde. Diese Prioritäten basieren auf einer Einschätzung, mit welchen wesentlichen Risiken die beaufsichtigten Kreditinstitute (KI) in ihrem derzeitigen Umfeld konfrontiert sind.

Nachdem der einheitliche Aufsichtsmechanismus operativ am 4. November 2014 startete (Deloitte berichtete), geht die EZB 2016 in ihr zweites ganzes Jahr als Bankenaufsichtsbehörde. Die fünf Prioritäten der EZB sind:

  • Risiko in Zusammenhang mit Geschäftsmodell und Ertragskraft: Diese Faktoren werden durch hohe Wertminderungen und die anhaltende Niedrigzinsphase belastet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung unzulässiger Erhöhungen der Rentabilität (z.B. durch eine Lockerung der Kreditrichtlinien).
  • Kreditrisiko: Die Schwerpunkte bilden die Ursachen des hohen Anteils notleidender Kredite, eine Verschlechterung der Qualität der Kreditvergabe sowie die Umsetzung der IFRS 9-Rechnungslegungsstandards.
  • Angemessenheit der Eigenkapitalausstattung: Die EZB überprüft insbesondere die Qualität und Kohärenz der Verfahren zur Beurteilung der Angemessenheit des internen Kapitals (ICAAP), die internen und aufsichtlichen Stresstestkapazitäten sowie den Vorbereitungsstand für die neuen Regulierungsstandards (insb. Total Loss-Absorbing Capacity, TLAC und die Mindestanforderung an Eigenmitteln und berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten, MREL). Zudem wird sie in den kommenden Jahren laufend die internen Modelle von KI gezielt überprüfen.
  • Risk Governance und Datenqualität: Die EZB erwartet von den Leitungsorganen der KI, dass sie angemessene Risikoinformationen anfordern und erhalten, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Die KI müssen auch über eine entsprechende IT-Infrastruktur verfügen, um die Datenqualität und -sicherheit gewährleisten zu können. Die IT-Infrastruktur muss auf dem neuesten Stand der Technik sein. Die IT-Risiken werden von der EZB analysiert.
  • Liquidität: Aufgrund der im Rahmen der Supervisory Review and Evaluation Processes (SREP) im Jahr 2015 festgestellten Mängel wird die EZB die Fortschritte bei der Verbesserung der Zuverlässigkeit der Verfahren zur Beurteilung der Angemessenheit der internen Liquidität (ILAAP) überprüfen.

Die EZB wird für jede dieser fünf Prioritäten mehrere Aufsichtsinitiativen durchführen, die teilweise auch über das Kalenderjahr 2016 hinausgehen werden. Zudem erklärt die EZB, dass sie für einzelne KI das Proportionalitätsprinzip berücksichtigen wird, indem sie aufgrund ihrer spezifischen Risikoprofile unterschiedliche Aufsichtsaktivitäten durchführen wird.

Link zu den EZB-Prioritäten für 2016

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