EBA veröffentlicht Konsultationsdokument zu Stresstesting-Guidelines

Am 18. Dezember 2015 veröffentlichte die EBA ein Konsultationsdokument für Draft Guidelines zu Stresstests und aufsichtlichen Stresstests (EBA/CP/2016/28). Mit Hilfe der Leitlinien soll die unionsweite Konvergenz in der aufsichtlichen und bankinternen Durchführung von Stresstests forciert werden. Das gegenständliche Konsultationsdokument basiert sowohl auf den CEBS-Guidelines aus dem Jahre 2010 (GL 32), die nach Finalisierung der neuen Leitlinien ersetzt werden, als auch auf Artikel 100 Abs. 2 CRD IV, wo die Anforderungen an das aufsichtliche Stresstesting europarechtlich normiert sind. Zudem flossen laut EBA die Erfahrungen aus dem EBA Stresstest 2014 in den Entwurf ein. Die Methoden zukünftiger (aufsichtlicher) EBA-Stresstests sollen durch die neuen Leitlinien jedoch nicht näher definiert werden.

Die Leitlinien gliedern sich inhaltlich grob in drei Bereiche: (1) Stresstests auf Seiten der Banken, (2) aufsichtliche Überprüfung der Durchführung von Stresstests durch Banken und (3) aufsichtliches Stresstesting.

Stresstests auf Seiten der Banken (vgl. Kapitel 4 des Konsultationspapiers)

Dieser Teil umfasst insb. grundlegende Rahmenvorgaben an das bankweite Stresstesting. Folgende Punkte werden dabei abgedeckt: Anforderungen an das Governance-Framework inkl. Vorgaben in Bezug auf die Steuerungsrelevanz von Stresstesting innerhalb der Bank; Anforderungen an eine adäquate Dateninfrastruktur hinsichtlich Datenintegrität, -vollständigkeit, -flexbilität und -verfügbarkeit; Vorschriften zu Umfang der Stresstests sowohl in Bezug auf die einzubeziehenden Teile des Unternehmens als auch in Bezug auf die Anzahl/Art/Ausgestaltung von Szenarien, berücksichtigungswürdigen Parametern etc.

Die Leitlinien enthalten zudem detaillierte Anforderungen an die verschiedenen Stresstesting-Typen – d.h. an Sensitivitätsanalysen, (komplexe) Szenarioanalysen, Reverse Stress Testing, etc. – sowie an die Berücksichtigung einzelner Risikoarten. Außerdem verlangt die EBA, dass die Ergebnisse und Erkenntnisse aus den Stresstests von den Instituten im Rahmen der Sanierungsplanung sowie im Rahmen von ICAAP und ILAAP verwendet werden.

Aufsichtliche Überprüfung (vgl. Kapitel 5)

Im Rahmen der Überprüfung der bankinternen Stresstests durch die Behörden liegt der Schwerpunkt auf der Szenarienauswahl sowie auf dem aufsichtlichen Umgang mit Erkenntnissen aus den Stresstests für Zwecke des SREP (Supervisory Review and Evaluation Process, aufsichtlicher Überprüfungsprozess). Darüber hinaus decken sich die Prüfbereiche weitgehend mit den inhaltlichen Kernthemen aus Kapitel 4 der Leitlinien (vgl. oben), wobei dem Zusammenspiel zwischen Stresstesting einerseits und Kapital- und Liquiditätsadäquanz (ICAAP und ILAAP) andererseits große Bedeutung zukommt. Bei der Bewertung durch Behörden sollen sowohl qualitative als auch quantitative Überprüfungen mit einfließen. Ziel ist es sicherzustellen, dass die Stresstestergebnisse als aussagekräftiger Indikator für potenzielle Gefahren herangezogen werden können, indem Schwachstellen im Risikomanagement, Governance-Probleme und Liquiditätsengpässe verlässlich aufgezeigt werden.

Aufsichtliche Stresstests (vgl. Kapitel 6 der Draft Guidelines)

In diesem Teil der Draft Guidelines werden die Rahmenbedingungen und Ziele aufsichtlicher Stresstests erläutert. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht jedoch die Nutzung der aus Stresstests gewonnenen Informationen aus Sicht und für Zwecke des SREP. Daher werden insb. Aspekte zur Bewertung des Geschäftsmodells, bankweiter Kontrollprozesse und Kapital- und Liquiditätsadäquanz – allesamt Kernbereiche des aufsichtlichen Überprüfungsprozesses – erläutert.

Proportionalität

Mit Blick auf das Proportionalitätsprnizip unterteilt die EBA Banken in Abhängigkeit ihrer Größe und Komplexität in vier Kategorien. Für kleine und weniger komplexe Institute soll der Fokus auf qualitativen Faktoren liegen, während größere und komplexere Institute naturgemäß anspruchsvollere Verfahren zur Durchführung von Stresstests anwenden sollen. Prinzipiell hängt der Anwendungsumfang der Leitlinien daher von der getroffenen Kategorisierung ab. Exemplarisch wird die regelmäßige Überprüfung von Stressszenarien genannt, die je nach Institutsgröße in Umfang und Häufigkeit der Prüfung variiert.

Link zum Konsultationspapier

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