ESAs veröffentlichen gemeinsamen Ausschussbericht zu Risiken und Schwachstellen des EU-Finanzsystems

Am 9. September 2015 veröffentlichten die Europäischen Aufsichtsbehörden (European Supervisory Authorities – ESA), bestehend aus EBA, ESMA und EIOPA, einen gemeinsamen Ausschussbericht zu Risiken und Schwachstellen im Europäischen Finanzsektor. Im Bericht wird sowohl auf Risiken, die als wesentlich für das Bankwesen, die Wertpapiermärkte und den Versicherungsbereich angesehen werden, als auch auf deren kurz- und langfristige Auswirkungen auf das Europäische Finanzsystem eingegangen, mit besonderem Fokus auf sektorübergreifende Schwachstellen und Entwicklungen.

Gemäß Bericht sind die im letzten gemeinsamen Ausschussbericht von März 2015 identifizierten Risiken weiterhin existent und stellen eine Gefahr für die Stabilität des Europäischen Finanzsektors dar. Im Bericht werden folgende Hauptrisiken genannt:

  • Das anhaltend niedrige Zinsniveau und seine Auswirkungen auf die Rentabilität und Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle von Finanzinstituten
  • Die unentwegte Suche nach Renditen durch Finanzinstitute und die damit einhergehende potenzielle Fehlbewertung von Vermögensgegenständen
  • Verminderung der Marktliquidität und die Auswirkungen für Vermögensverwalter
  • Politische und ökonomische Risiken resultierend aus der zaghaften konjunkturellen Erholung und der Unsicherheit in Bezug auf die finanzielle Situation Griechenlands. Diesbezüglich haben sich Risiken bereits teilweise erfüllt und u.a. zu Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland und hoher Marktvolatilität geführt.

Um oben genannte Risiken zu adressieren und die Fähigkeiten der Banken zur Kreditvergabe zu erhöhen, nehmen die ESAs in ihrem Bericht sowohl Aufsichts- und Regulierungsbehörden als auch Finanzinstitute in die Pflicht. Institute sollen die Qualität ihrer Bilanzen weiter verbessern sowie Altvermögen reduzieren und ausreichende Rückstellungen für notleidende Kredite vorhalten. Ein Hauptfokus der Aufsichtsbehörden soll die Beurteilung der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle der Finanzinstitute sowie die Beurteilung von deren Ertragspotenzial, Finanzierungsstruktur und Geschäftsstrategie sein, vor allem angesichts der Rentabilitätsprobleme und Kostenerhöhungen im Bankenbereich in den vergangenen Jahren. Zudem sollen Regulierungsbehörden weiterhin durch geeignete Maßnahmen kapitalmarktbasierte Finanzierungen vorantreiben, u.a. durch die Unterstützung einer adäquaten, transparenten und harmonisierten Vermarktung von Anlageprodukten. Als weiteren wichtigen Punkt fordern die ESAs in ihrem Bericht eine rigorose Bewertung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten und eine diesbezügliche genaue aufsichtliche Überwachung sowie eine erhöhte Transparenz bei der Offenlegung von Bewertungsrisiken.

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