BaFin-Fachtagung zum Thema Neues SREP-Konzept der Aufsicht

Am 20. Oktober 2015 veranstaltete die BaFin (deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) eine Fachtagung zum Thema Neues SREP-Konzept der Aufsicht. Unter anderem wurden folgende Vorträge gehalten:  SREP bei weniger bedeutenden Instituten und Analyse der Geschäftsmodelle.

Im SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) werden durch die Aufsichtsbehörden jene Risiken überprüft, die nicht bereits durch aufsichtsrechtliche Bestimmungen (insbesondere in der CRR – Säule 1) abgedeckt werden. Der SREP erweitert somit die bisherigen aufsichtlichen Überprüfungsverfahren im Rahmen der Säule 2 des Basler Accords. Ziel ist es, die Aufsichtspraxis im Rahmen des SREP europaweit zu vereinheitlichen und ein konsistentes Rahmenwerk für die Beurteilung von Risiken unter Berücksichtigung des Geschäftsmodells, der Governance, der Solvabilität und der Liquidität von Banken zu etablieren. Die EZB oder die jeweilige NCA (nationale zuständige Aufsichtsbehörde) kann – je nach Ergebnis des Reviews –  dem betroffenen Institut einen SREP-Zuschlag zu den regulatorischen Eigenmitteln vorschreiben.

LSIs (weniger bedeutende Institute) sind all jene CRR-Kreditinstitute und (Finanz-)Holdinggesellschaften, die im SSM (einheitlicher Aufsichtsmechanismus) von der EZB nicht als bedeutend eingestuft wurden (Deloitte-Artikel über den SSM).

Die SREP-Guidelines der EBA sind ab 1. Jänner 2016 anzuwenden, wobei die NCAs in Zusammenarbeit mit der EZB einen Umsetzungsvorschlag mit allfälligen nationalen Besonderheiten entwickeln. NCA sollen bei der Gesaltung der “nationalen Standards” eine aktive Rolle spielen, um sicherzustellen, dass länderspezifische Aspekte (bspw. lokale Rechnungslegungstandards) ausreichend Berücksichtigung finden.

Der SREP muss folgende Komponenten umfassen:

  • Kategorisierung des Instituts;
  • Überwachung der Schlüsselindikatoren;
  • Analyse des Geschäftsmodells;
  • RAS (Risk Assessment System): Bewertung des Risikoniveaus und der Maßnahmen/Prozesse zu Risikomanagement und -begrenzung;
  • Umfassende Überprüfung des Kapital- und des Liquiditätsrisikos (ICAAP/ILAAP);
  • Bewertung der Angemessenheit der Eigenmittel- und der Liquiditätsausstattung;
  • Quantifizierungsmethodik: Einschätzung des Kapital- und Liquiditätsbedarfs;
  • SREP-Gesamtbewertung;
  • Allfällige Aufsichtsmaßnahmen (z.B.: Erteilung von Auflagen, Vorschreibung eines SREP- Zuschlages).

Die Geschäftsmodellanalyse umfasst die folgenden Schritte:

  • Vorläufige Bewertung des Geschäftsmodells;
  • Festlegung der Schwerpunkte der Analyse;
  • Bewertung des Geschäftsumfeldes und der Wettbewerbsposition (z.B.: makroökonomisches Umfeld, Annahmen, Trends);
  • Infrastruktur und operationelle Voraussetzungen: Organisation, IT-Infrastruktur, Outsourcing, Vertriebswege, Berichtswesen etc.;
  • Analyse der Strategie und Finanzpläne mit der Bewertung ihrer Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit (Risikoappetit und -kultur);
  • Quantitative und qualitative Analysen (z.B. Ertragsquellen, Abhängigkeit zwischen Geschäftsfeldern, unprofitable Geschäftszweige, Preisgestaltung, Produktentwicklung);
  • Ermittlung der Bestandsfestigkeit und potenzieller Anfälligkeiten;
  • Zusammenfassung des Ergebnisses und Einstufung.

Die überprüften Institute werden risikobasiert in vier Kategorien unterteilt. Nach diesen Kategorien richten sich der Umfang, die Häufigkeit und Intensität der laufenden Aufsicht:

  • Kategorie 1: global systemrelevante Institute;
  • Kategorie 2: mittlere bis große Institute oder bedeutende grenzüberschreitende Geschäfte;
  • Kategorie 3: kleine bis mittlere Institute oder keine bedeutenden grenzüberschreitenden Geschäfte;
  • Kategorie 4: alle anderen Institute ohne komplexe Strukturen.

Links: SREP bei weniger bedeutenden Instituten, Analyse der Geschäftsmodelle

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