Einigung über Vorschlag zur neuen Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD)

Am 30. Juni 2015 haben sich die Europäische Kommission, der Europäische Rat und das Europäische Parlament auf eine Überarbeitung der Richtlinie zum Verkauf von Versicherungsprodukten, die sogenannte „Versicherungsvertriebsrichtlinie“ (IDD – Insurance Distribution Directive), geeinigt. Mit der neuen „Versicherungsvertriebsrichtlinie“ wird die bisherige Richtlinie über Versicherungsvermittlung aus dem Jahr 2002 ersetzt und die gesamte Vertriebskette abgedeckt. Der Kommissionsvorschlag zur Aktualisierung geht auf das Jahr 2012 zurück. Die Umsetzung der Richtlinie wird für 2017 erwartet. Die neuen Vorschriften zielen insgesamt auf die Verbesserung des Kundenschutzes bei Abschluss von Versicherungsverträgen ab. Verbraucher sollen künftig beim Kauf von Versicherungsprodukten über größere Wahlmöglichkeiten und mehr Informationen verfügen. Diese Verbraucherschutzvorschriften gelten zukünftig auch für Käufe von Versicherungsprodukten bei einer Versicherungsgesellschaft und nicht mehr nur wie bisher bei Käufen über einen Makler oder Vermittler.

Gemäß den bisher veröffentlichten Informationen wird die Richtlinie folgende Änderungen beinhalten:

  • Versicherungsvertreiber werden für mehr Transparenz hinsichtlich Preis und Kosten ihrer Produkte sorgen müssen. Der Verbraucher muss auf jeden Fall darüber informiert sein, ob der Verkäufer eines Versicherungsprodukts ein eigenes wirtschaftliches Interesse an dessen Verkauf hat.
  • Bessere und leichter verständliche Informationen in Form einer einfachen, standardisierten Produktinformation für Nichtlebensversicherungsprodukte. Entsprechende Verbraucherinformationsblätter wurden bereits für Lebensversicherungsprodukte (mit der Solvabilität-II-Richtlinie) und für Anlageprodukte (mit der PRIIP-Verordnung) eingeführt.
  • Werden Versicherungsprodukte zusammen mit einer anderen Ware oder Dienstleistung angeboten (wenn beispielsweise ein Neuwagen zusammen mit einer Kfz-Versicherung zum Vorzugspreis verkauft wird), steht es dem Verbraucher frei, die Hauptware bzw. die Hauptdienstleistung ohne die Versicherung zu kaufen.
  • Vorschriften zu Transparenz und Geschäftsgebaren, die verhindern sollen, dass Verbraucher Produkte erwerben, die nicht ihren Bedürfnissen entsprechen. Es gelten z.B. strengere Anforderungen für den Verkauf von Lebensversicherungsprodukten mit Anlageelementen sowie Bestimmungen zur Anerkennung beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten.

Im Zusammenhang mit der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) können die Mitgliedstaaten beim Vertrieb von Versicherungen weiterhin Einkünfte aus Provisionen oder Zahlungen Dritter erlauben, wenn nachweislich die Provision dem Verbraucher zugutekommt.

Die vereinbarte neue Richtlinie IDD wird die Vorschriften über den Verkauf von Anlageprodukten nach der Richtlinie MiFID II und die Vorschriften der Verordnung (EU) Nr. 1286/2014 über Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte (PRIIP) ergänzen.

 

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