Basler Ausschuss veröffentlicht Konsultationsdokument zum Zinsrisiko im Bankbuch

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) hat am 8. Juni ein Konsultationsdokument zum Management, zur Eigenkapitalunterlegung und zur aufsichtlichen Überwachung des Zinsrisikos im Bankbuch (interest rate risk in the banking book – „IRRBB“) veröffentlicht. Das Konsultationsdokument stellt eine Erweiterung der im Jahr 2004 vom Basler Ausschuss veröffentlichten „Prinzipien für das Management und die Überwachung des Zinsrisikos“ (Principles for the management and supervision of interest rate risk) dar und soll diese Prinzipien in Zukunft ersetzen. Der in den Prinzipien gewählte Ansatz zur aufsichtsrechtlichen Kontrolle und Berechnung des Zinsrisikos im Bankbuch ist Teil des Basler Eigenkapitalrahmenwerks der Säule 2 (Supervisory Review Process) und soll nun neu evaluiert werden.

Die Neuevaluierung des Ansatzes zur aufsichtsrechtlichen IRRBB Behandlung folgt zwei Kernzielen. Es soll sichergestellt werden, dass Banken ausreichend Eigenkapital zur Verfügung haben, um potenzielle Verluste aus dem Zinsrisiko abdecken zu können. Zudem sollen Anreize zur Eigenmittelarbitrage zwischen dem Handelsbuch und dem Bankbuch sowie zwischen den Portfolien des Bankbuchs, falls unterschiedliche Rechnungslegungsvorschriften zum Tragen kommen, reduziert werden. Dies ist insbesondere in Hinblick auf die Erweiterungen der Eigenkapitalanforderungen für Positionen im Handelsbuch („Fundamental Review of the Trading Book“) relevant. Das nun vom Basler Ausschuss veröffentlichte Konsultationsdokument schlägt zwei Optionen für die Behandlung des Zinsrisikos im Bankbuch vor:

1. Standardisierter Säule 1 Ansatz (Mindesteigenkapitalstandards):

Dieser Ansatz basiert auf einer im Rahmen der Säule 1 einheitlich anwendbaren Berechnungsmethode der Mindesteigenkapitalunterlegung für das Zinsrisiko im Bankbuch. Vorteil dieses Ansatzes ist, dass er auf Grund der standardisierten Methodik, ein höheres Level an Konsistenz, Transparenz und Vergleichbarkeit zwischen den IRRBB Messsystemen der einzelnen Länder und Institute sicherstellt. Als Folge könnten das Marktvertrauen in die Kapitaladäquanz der Institute gestärkt sowie international gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. Bislang existierten bedeutende Unterschiede in der Umsetzung der 2004 veröffentlichten Prinzipien zum IRRBB Management, was unter anderem zu einer Divergenz der Eigenkapitalunterlegungen für das Zinsrisiko im Bankbuch in den einzelnen Gebietskörperschaften führte.

2. Erweiterter Säule 2 Ansatz (einschließlich Elementen der Säule 3 – Marktdisziplin):

Dieser Ansatz beinhaltet Elemente aus der Eigenkapitalberechnung gemäß Säule 1 und dem aufsichtlichen Überprüfungsverfahren gemäß Säule 2. Unter diesem Ansatz wäre es Instituten erlaubt, nach aufsichtlicher Genehmigung ihre eigenen internen Berechnungssysteme für Eigenmittelanforderungen anzuwenden. Um ein gewisses Level an Harmonisierung sicherzustellen, müssen Institute standardisierte Angaben zu ihrem IRRBB Risikoprofil, den wichtigsten Bewertungsannahmen, den qualitativen und quantitativen IRRBB Berechnungen und quantitative Angaben zu den IRRBB Parametern machen. Der standardisierte Säule 1 Ansatz bliebe den Instituten als Fallback Option gegenüber ihren eigenen internen Berechnungssystemen erhalten. Im Vergleich zum Säule 1 Ansatz liegt der Vorteil des Säule 2 Ansatzes darin, dass dieser unterschiedliche Marktbedingungen und Risikomanagementpraktiken in den einzelnen Ländern stärker berücksichtigt und dadurch akkuratere Messergebnisse des Zinsrisikos im Bankbuch liefert.

Feedback zum Konsultationsdokument kann bis zum 11. September 2015 online abgegeben werden und wird anschließend auf der Website des Basler Ausschusses veröffentlicht.

Quelle

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