ESMA startet Konsultationsverfahren zur Beurteilung der Kenntnisse und Fähigkeiten von Mitarbeitern von Wertpapierfirmen

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde („ESMA“) hat am 23. April 2015 ein Konsultationspapier zum Themenbereich Anlegerschutz veröffentlicht. Konkret handelt es sich dabei um Leitlinien zur Beurteilung der Kenntnisse und Fähigkeiten von Mitarbeitern, die Anlageberatung oder andere Wertpapierdienstleistungen erbringen.

Der vorliegende Entwurf steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der im Mai 2014 veröffentlichten MiFID II Richtlinie (Richtlinie 2014/65/EU), in der die Europäische Kommission zur Ausarbeitung von detaillierten Anlegerschutzbestimmungen aufgefordert wurde und von der ESMA unterstützt wird. Die Mitgliedstaaten müssen bis zum 3. Juli 2016 entsprechende nationale Bestimmungen erlassen, um eine Umsetzung der MiFID II zu ermöglichen. Ab dem 3. Januar 2017 müssen die neuen Regelungen dann endgültig von den Marktteilnehmern angewendet werden. Link zum FSI Advisory Espresso Artikel zu MiFID II

Art 24 der MiFID II formuliert das Grundprinzip, dass natürliche Personen, die gegenüber Kunden im Namen einer Wertpapierfirma Anlageberatung erbringen oder Auskünfte über Finanzprodukte erteilen, über ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen verfügen müssen. Entsprechend Art 25 Abs 9 der MiFID II hat die ESMA den Auftrag erhalten, Leitlinien auszuarbeiten, in denen die Kriterien für die Beurteilung der relevanten Kenntnisse und Kompetenzen der Mitarbeiter von Wertpapierfirmen angegeben werden. Diesem Auftrag ist die ESMA mit dem vorliegenden Dokument nachgekommen.

Angesichts der Komplexität und kontinuierlichen Veränderung der Anlageprodukte wird es als notwendig erachtet, dass Mitarbeiter ein angemessenes Maß an Kenntnissen und Fähigkeiten der angebotenen Produkte besitzen. Die Mitarbeiter müssen befähigt sein, die Anliegen und die Verhältnisse der Kunden beurteilen zu können. Außerdem werden von ihnen ausreichende Fachkenntnisse im Bereich der Finanzmärkte erwartet, damit sie die zu empfehlenden Finanzinstrumente dahingehend verstehen und beurteilen können, ob die Merkmale der Instrumente mit den Bedürfnissen und Verhältnissen des Kunden abgestimmt sind. Zudem müssen die Mitarbeiter über die Kenntnisse des rechtlichen Rahmens und der entsprechenden Verfahren verfügen, um ihrer Verantwortung gerecht werden zu können.

Die Festlegung der Kriterien für die Bewertung der Qualifikationen und Erfahrungen hat auf nationaler Ebene stattzufinden. In diesem Zusammenhang ist die zuständige nationale Aufsichtsbehörde aufgefordert, Anforderungen an die fachliche Qualifikation und einen Mindestzeitraum an Erfahrung zu definieren.

Das Konsultationspapier beinhaltet:

  • Alle Fragen in Zusammenhang mit den Beurteilungskriterien,
  • den gesetzlichen Auftrag zur Übernahme der Leitlinien,
  • eine High-Level Kosten-Nutzen Analyse,
  • den gesamten Text des Leitlinienentwurfs.

Die Konsultationsfrist endet planmäßig am 10. Juli 2015.

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