EBA, ESMA und EIOPA veröffentlichen finale Leitlinien zur Aufsicht von Finanzkonglomeraten

Am 22. Dezember 2014 hat das gemeinsame Komitee der europäischen Finanzaufsichtsbehörden (European Supervisory Authorities – ESA, bestehend aus EBA, ESMA und EIOPA) die finalen Leitlinien über die Angleichung der Aufsichtspraxis in Bezug auf die Einheitlichkeit von Kooperationsvereinbarungen für die Beaufsichtigung von Finanzkonglomeraten veröffentlicht. Ziel der finalen Leitlinien ist es, die aufsichtsrechtliche Koordinierung in der europäischen Union zu harmonisieren und die grenzüberschreitende behördliche Zusammenarbeit konsistenter zu gestalten.

Im Detail setzt sich das Dokument mit den folgenden fünf Kernbereichen auseinander:

  • Mapping der Struktur von Finanzkonglomeraten: Durch ein Zuordnungsverfahren werden die beaufsichtigten Unternehmen innerhalb eines Finanzkonglomerats spezifiziert. Insbesondere hilft das Mapping dem Koordinator1 und den relevanten zuständigen Behörden, ein umfassendes Verständnis der beaufsichtigten Unternehmen zu erlangen.
  • Koordination des Informationsaustausches im laufenden Geschäftsbetrieb und in Ausnahmezuständen: Die Leitlinien können vom Koordinator und den zuständigen Behörden als Orientierungshilfe für den Informationsaustausch herangezogen werden.
  • Aufsichtsrechtliche Beurteilung von Finanzkonglomeraten, insbesondere in Hinblick auf angemessene Kapitalausstattung, gruppeninterne Transaktionen, Risikokonzentrationen, interne Kontrollverfahren und Risikomanagement. Die Leitlinien klären darüber hinaus das Prozedere für die Zusammenarbeit zwischen dem Koordinator und den relevanten Behörden im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Beurteilung.
  • Aufsichtsrechtliche Planung und Koordination der Aufsichtstätigkeiten in Hinblick auf die laufende Beaufsichtigung sowie eventuelle Krisensituationen.
  • Festlegung und Definition von Entscheidungsprozessen zwischen den zuständigen Behörden: Die Leitlinie präzisiert Verfahren, die von den zuständigen Behörden im Rahmen von Konsultationsprozessen sowie Vereinbarungsprozessen einzuhalten sind. Darüber hinaus legt sie Verfahren und Schritte fest, die bei der jährlichen Durchführung der Neubeurteilung und Überprüfung von Ausnahmen iZm der zusätzlichen Beaufsichtigung durchzuführen sind und welche Prozesse bei der Koordinierung von Zwangsmaßnahmen einzuhalten sind.

Link zu den Leitlinien


1) Beim Koordinator handelt es sich gemäß Art. 10 der Richtlinie 2002/87/EG um jene zuständige Aufsichtsbehörde, die aufgrund des Sitzstaats des Finanzkonglomerats oder seines Mutterunternehmens für die Zusammenarbeit zwischen den Behörden der betroffenen Mitgliedstaaten zuständig ist.

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