FMA veröffentlicht Entwurf für die Novelle der Geldmarktfondsverordnung und der Wertpapierleih- und Pensionsgeschäfteverordnung

Die Geldmarktfondsverordnung (GMF-V) präzisiert die Kriterien bezüglich Definition, Bezeichnung, Veröffentlichungspflichten, Anlegerinformationen und Anlagebeschränkungen von Geldmarktfonds und von Geldmarktfonds mit kurzer Laufzeitstruktur. Die Wertpapierleih- und Pensionsgeschäfteverordnung (WPV) legt hingegen diese Kriterien für Pensionsgeschäfte sowie für Wertpapierleihgeschäfte und -systeme fest. Der sachliche Anwendungsbereich umfasst jeweils Verwaltungsgesellschaften (Kapitalanlagegesellschaften), deren reguläre Geschäftstätigkeit die Verwaltung von Organismen zur gemeinsamen Veranlagung in Wertpapieren (OGAW) und gegebenenfalls von Alternativen Investmentfonds (AIF) umfasst.

Die Grundlage der Novelle der GMF-V  ist eine Änderung der EU-Verordnung über Ratingagenturen. Unter anderem wurde diese dahingehend novelliert, dass sich die Europäischen Aufsichtsbehörden (ESA) in ihren Leitlinien, Empfehlungen und Entwürfen technischer Standards nicht auf Ratings beziehen dürfen, wenn eine solche Bezugnahme für die zuständigen Behörden oder Finanzmarktteilnehmer Anlass sein könnte, sich ausschließlich und automatisch auf Ratings zu stützen. Die ESA mussten daher bestehende Bezugnahmen auf Ratings überprüfen und gegebenenfalls entfernen (Link zum Schlussbericht der ESA).

So haben Verwaltungsgesellschaften von Geldmarktfonds und Geldmarktfonds mit kurzer Laufzeitstruktur zwar auf Ratings, die von einer von der ESMA registrierten und beaufsichtigten Ratingagentur erstellt wurden, Bedacht zu nehmen, allerdings müssen sie die hohe Qualität eines Geldmarktinstruments auch durch ein nachweislich geeignetes, eigenes internes Bewertungsverfahren überprüfen. Wird das Instrument unter den jeweiligen Wert der zwei höchsten Kurzfrist-Kreditratings herabgestuft, so hat die Verwaltungsgesellschaft die Kreditqualität neu zu bewerten.

Die Novelle der WPV basiert auf den Leitlinien zu börsengehandelten Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETF) und anderen OGAW-Themen der ESMA. Die Änderungen betreffen insbesondere die Diversifizierung des Sicherheitenbestands und die erforderlichen Angaben im Prospekt, in den Anlegerinformationen sowie im Rechenschaftsbericht. Ist eine ausreichende Streuung der erhaltenen Sicherheiten in Bezug auf Staaten, Märkte sowie Emittenten nicht gegeben, so ist der Kapitalanlagefonds vollständig durch Wertpapiere und Geldmarktinstrumente zu besichern, die von einem Mitgliedstaat, seiner Gebietskörperschaften, einem Drittstaat oder einer internationalen Einrichtung öffentlich-rechtlichen Charakters, der mindestens ein Mitgliedstaat angehört, begeben oder garantiert werden.

Für diese Sicherheiten gilt die 20%-Grenze für das Gesamtrisiko gegenüber einer Gegenpartei nicht. Stattdessen können die Sicherheiten zur Gänze von einem dieser Emittenten stammen, sofern der Kapitalanlagefonds Wertpapiere hält, die zumindest im Rahmen von sechs verschiedenen Emissionen begeben wurden und keine davon 30 % des Nettoinventarwerts übersteigt. Auf eine vollständige Besicherung ist in der Anlegerinformation hinzuweisen und alle Emittenten anzugeben, deren Sicherheiten 20% des Nettoinventarwerts übersteigen.

print